Betty Bond und Lara Liqueur

Ihr Name ist Bond. Betty Bond.

Hallo Betty Bond. Vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview mit dem Rainbowguide nimmst. Wir sind heute nach Berlin gekommen, um uns deine Bingonacht im Dietrich’s mit dir und deinem Bingo-Boy Robert Judas einmal genauer anzusehen. Was unterscheidet dein Event von anderen Bingo-Abenden?

Der Unterschied zwischen unserem Bingo und anderen ähnlichen Veranstaltungen ist der, dass hier einfach jeder willkommen ist, egal wie jung oder alt. Wir achten darauf, dass niemand alleine am Platz sitzt, wenn er zum Beispiel das erste Mal dabei ist und das vielleicht Wichtigste, hier profiliert sich keine Transe durch selbst gezaubertes Liedgut. Wir hatten schon Gäste aus Australien, Neuseeland, der Ukraine und Österreicher sowie Holländer, die, wenn sie nach Berlin kommen, unbedingt am Mittwoch in der Stadt starten wollen. Die Gays merken einfach, dass sie hier willkommen sind.

Als Drag Queen hast du dir mittlerweile einen Namen gemacht. An welchen Projekten arbeitest du neben dem Bingo noch?

Woher mich viele Leute kennen ist natürlich Radio QueerLive aber da sprechen wir später drüber. Sehr beliebt sind meine Floßtouren, die ich zusammen mit dem Berliner Verein „gemeinsam mehr e.V.“ organisiere. Stell dir vor, über 30 Gays auf 4 Flößen, bei bestem Wetter, auf dem Wasser und das Ganze für 9 Stunden. Muss ich mehr sagen? Klar, dass der Spaß vorprogrammiert ist, bei mir der Sekt in Massen fließt und manchmal auch jemand aus Versehen ins Wasser plumpst. Letztens war ich erst mit unserem sexy Steuermann beschäftigt und es wurde heiß, als plötzlich wenige Meter vor uns ein Dampfer ALARM gab. Diese Dampfer scheinen unheimliche Romantikkiller zu sein.

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Jetzt zum Radio. Seit über 22 Jahren unterstütze ich Radio Queerlive, das ist ein schwul-lesbisches Radio hier in Berlin. Wir senden jeden Sonntag ab 15 Uhr auf Antenne 88.4 aber auch im Internet. Mittlerweile haben wir eine ungefähre Hörerzahl von 20.000. Im Internet hören circa 4.000-6.000 zu.

Der Name Betty Bond erinnert klar an 007. Wie kamst du auf diesen und was verbindest du mit ihm?

Ursprünglich komme ich ja aus dem Osten und als ordentliche Ossitranse habe ich natürlich Westfernsehn geschaut. Ich habe James Bond bewundert und wollte immer das Bondgirl an seiner Seite sein. Dann wurde mal wieder ein neues Bondgirl gesucht, also habe ich mich durch den eisernen Vorhang geschlagen. Geschichtlich wurde das dann als den Fall der Mauer bezeichnet. Übrigens haben die mich nicht genommen, da ich Kleidergröße 38 trage und die wollten 36.

Was ist allgemein dein Eindruck der Berliner Schwulenszene? Was ist besonders gut, was besonders unangenehm?

Berlin ist ja die größte Stadt Deutschlands, entsprechend groß ist auch die Szene. Mein Eindruck ist: Quantität hat nicht immer mit Qualität zu tun. Auch wenn man hier viel erleben kann, viele Partys und viele Szenekneipen hat, fehlt vielen Menschen Wärme. Ein Raum von Familiärem. Ich habe oft den Eindruck, dass in dieser Stadt – trotz der großen Zahl an Schwulen und Lesben – Menschen vereinsamen und das ist beispielsweise auch einer der Gründe, aus denen ich diesen Bingo-Abend und die Floßtouren veranstalte – weil es Menschen gibt, die es nicht leicht finden, in die Szene zu gehen.

Du engagierst dich stark für politische und ernste Themen – viele Drag Queens tun das nicht. Wie kommt es, dass du neben deinem Entertainment-Bereich auch in ernsthaftere Gefilde einsteigst?

Wir leben in einer Zeit, in der für viele Selbstverständlichkeit herrscht. Als ich beispielsweise mein Coming Out hatte herrschte noch Paragraph 175 („Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts […] begangen wird ist mit Gefängnis zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.“) und man musste um Dinge kämpfen. In Berlin standen immer wieder viele Vereine auf der Kippe. Ich finde, dass wir als schwul-lesbische Community aufpassen müssen, dass wir das behalten und beschützen können, was wir erkämpft haben.

Erzähl mir doch bitte abschließend noch etwas über Radio Queerlife.

Radio Queerlife ist ein Projekt, welches ich persönlich besonders spannend finde. Uns gibt es seit 1991, mittlerweile also seit über 20 Jahren. Unsere Sendung dreht sich um Berliner Themen, aber auch um Internationales. Auch Künstler wie Rosenstolz und Zweiraumwohnung waren schon bei uns in der Sendung. Ein weiterer Teil unseres Magazins ist eine Lehrstunde für junge Gays, in der über Begrifflichkeiten und Fakten aufgeklärt und informiert wird. Wir sind auch das einzige Radio, welches jedes Jahr mehrere Stunden live vom schwul-lesbischen Stadtteilfest überträgt. Dies tun wir mittlerweile seit 15 Jahren.

Vielen Dank für das Interview.

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